Ich sag's dir direkt: 7 von 10 Websites, die ich analysiere, existieren für KI-Systeme schlicht nicht. Die Unternehmer wundern sich, warum keine Anfragen kommen – und haben keine Ahnung, dass ChatGPT ihren Mitbewerber empfiehlt, nicht sie.
Dabei lässt sich mit ein paar gezielten Handgriffen prüfen, wie sichtbar dein Unternehmen in der neuen Welt der KI-Suche tatsächlich ist. Und genau das zeige ich dir hier – vom kostenlosen Schnellcheck bis zum professionellen Monitoring.
Warum KI-Sichtbarkeit nicht dasselbe ist wie Google-Ranking
Lass mich das klarmachen, weil ich diese Verwechslung täglich erlebe: Google-Ranking und KI-Sichtbarkeit sind zwei komplett verschiedene Dinge.
Dein Unternehmen kann auf Position 1 bei Google stehen und trotzdem in keiner einzigen KI-Antwort vorkommen. Umgekehrt kann eine Website, die bei Google auf Seite 3 dümpelt, in ChatGPT als Top-Empfehlung auftauchen.
Der Grund ist simpel: KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overview ziehen sich ihre Informationen aus anderen Quellen und nach anderen Kriterien als die klassische Google-Suche. ChatGPT nutzt primär Bing als Datenquelle. Perplexity crawlt eigenständig. Google AI Overview wertet Inhalte semantisch aus, nicht nur nach Keywords und Backlinks.
Was das für dich bedeutet: Dein klassischer Sichtbarkeitsindex (Sistrix, XOVI & Co.) sagt dir nichts darüber, ob dein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt. Du brauchst andere Methoden.
Mehr zum grundlegenden Unterschied zwischen SEO und der Optimierung für KI-Systeme findest du in meinem Artikel Was ist AEO?
Die 5-Minuten-Prüfung: KI-Sichtbarkeit manuell testen
Bevor du Geld für Tools ausgibst, fang mit dem an, was nichts kostet und sofort geht. Meine Empfehlung: Öffne drei KI-Systeme und stell ihnen dieselben Fragen, die deine potenziellen Kunden stellen würden.
So gehe ich vor:
Ich öffne ChatGPT, Perplexity und Google (mit AI Overview) und stelle jeweils 5–10 Fragen aus Kundensicht. Für einen Installateur in Eisenstadt wären das beispielsweise:
- „Welchen Installateur in Eisenstadt kannst du empfehlen?"
- „Wer macht Heizungstausch im Burgenland?"
- „Bester Installateur Burgenland Erfahrungen"
Dann dokumentiere ich für jede Frage: Wird das Unternehmen genannt? Wird es empfohlen oder nur erwähnt? Stimmen die angezeigten Informationen? Werden Mitbewerber stattdessen empfohlen?
Wichtig: Teste in einem privaten/inkognito-Fenster, damit personalisierte Ergebnisse das Bild nicht verfälschen. Und teste auf Deutsch UND Englisch – viele KI-Systeme liefern je nach Sprache unterschiedliche Ergebnisse.
Das Ergebnis ist ein klares Bild davon, wie KI-Systeme dein Unternehmen heute sehen. Keine Zahlen, keine Metriken, aber ein ungeschönter Realitätscheck.
Kostenlose Tools für den Einstieg
Für einen strukturierteren Überblick als den manuellen Check gibt es mittlerweile einige kostenlose Optionen.
Professionelle Tools: Was sich ab wann lohnt
Ab dem Punkt, an dem du KI-Sichtbarkeit nicht nur messen, sondern aktiv steuern und monitoren willst, brauchst du professionelle Tools. Der Markt entwickelt sich gerade rasant – hier sind die Plattformen, die ich für relevant halte:
Meine ehrliche Einschätzung für österreichische KMU: Die meisten dieser Tools sind für größere Unternehmen und Agenturen konzipiert. Für ein lokales KMU im Burgenland, in der Steiermark oder in Wien sind die Kosten (oft 100–500 USD/Monat) in der Regel zu hoch im Verhältnis zum Nutzen. Hier ist der manuelle Ansatz plus ein gelegentlicher Gratis-Check die bessere Wahl – zumindest bis KI-Traffic spürbar wird.
Meine persönliche Prüf-Routine
In meiner Arbeit mit KMU habe ich mir eine Routine zurechtgelegt, die funktioniert, ohne teuer zu sein:
Das klingt nach wenig Aufwand? Ist es auch. Und genau das ist der Punkt: Für die meisten KMU ist es gerade wichtiger, überhaupt erst die Grundlagen der KI-Sichtbarkeit zu schaffen (strukturierte Daten, klare Entitäten, sauberer Content), als in aufwendiges Monitoring zu investieren. Messen, wo nichts da ist, bringt wenig.
Was tun, wenn du unsichtbar bist?
Falls dein Check ergeben hat, dass KI-Systeme dich nicht kennen – keine Panik. Das ist bei den meisten KMU in Österreich der Normalzustand. Aber es ist kein Naturgesetz.
Die drei Hebel, die am schnellsten wirken:
Strukturierte Daten implementieren. JSON-LD-Markup (LocalBusiness, FAQPage, Service) hilft KI-Systemen, dein Unternehmen als Entität zu erkennen. Das ist die technische Grundlage, ohne die alles andere ins Leere läuft.
Bing Webmaster Tools einrichten. ChatGPT und Copilot speisen sich primär aus Bing. Wenn deine Website bei Bing nicht sauber indexiert ist, existierst du für den weltweit meistgenutzten KI-Chatbot nicht. Sitemap einreichen, URLs aktiv submitten – kostet 20 Minuten, wirkt enorm.
Content als Antworten formulieren. KI-Systeme extrahieren fertige Antworten, keine Keyword-Listen. Jede Seite sollte mindestens eine klare, zitierbare Aussage enthalten. Nicht „Wir bieten professionelles Webdesign", sondern „Webdesign für Handwerker im Burgenland ab 199 € pro Monat – inklusive SEO-Optimierung und monatlicher Betreuung."
Alle drei Punkte erkläre ich im Detail im Grundlagen-Artikel Was ist AEO?
Fazit: Jetzt prüfen, bevor es dringend wird
KI-Sichtbarkeit ist heute noch ein Vorsprungthema. Die meisten deiner Mitbewerber wissen nicht einmal, dass es existiert. Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu prüfen, wo du stehst – und die Grundlagen zu legen, während andere noch schlafen.
Fang mit dem 5-Minuten-Check an. Heute noch.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich prüfen, ob meine Website in ChatGPT sichtbar ist?
Am einfachsten, indem du ChatGPT direkt fragst – z. B. „Welchen [deine Branche] in [deiner Region] empfiehlst du?" Für systematisches Monitoring gibt es Tools wie Otterly.AI, Peec AI oder den kostenlosen Semrush AI Visibility Checker.
Was kostet ein KI-Sichtbarkeits-Tool?
Professionelle KI-Visibility-Tools starten bei ca. 39–49 USD/Monat für Basis-Pläne. Enterprise-Lösungen kosten 200–500 USD/Monat. Für KMU ist der manuelle Prompt-Check oft die kosteneffizienteste Methode.
Was ist der Unterschied zwischen Sichtbarkeitsindex und KI-Sichtbarkeit?
Der klassische Sichtbarkeitsindex (Sistrix, XOVI) misst dein Google-Ranking. KI-Sichtbarkeit misst, ob und wie KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI dein Unternehmen in ihren Antworten nennen. Beides sind unabhängige Metriken.
Reicht SEO, um in KI-Antworten sichtbar zu sein?
Nein, nicht automatisch. SEO ist eine gute Basis, aber KI-Systeme bewerten Inhalte nach anderen Kriterien: klare Entitäten, strukturierte Daten, zitierfähige Aussagen und Präsenz auf Bing spielen eine zentrale Rolle. Deshalb spricht man auch von AEO (Answer Engine Optimization) als Ergänzung zu SEO.
Wie oft sollte ich meine KI-Sichtbarkeit prüfen?
Monatlich ein kurzer manueller Check, quartalsweise ein Vergleich der Ergebnisse. Halbjährlich eine tiefere Analyse. KI-Systeme ändern ihre Quellen und Algorithmen laufend – einmaliges Prüfen reicht nicht.
